Unser Gehör ist ein Wunderwerk!

Die Ohrmuschel fängt die Geräusche ein und verstärkt sie wie ein Schalltrichter. Durch ihre Form können wir unterscheiden, ob ein Geräusch von vorn oder von hinten kommt. Das Trommelfell schirmt das Mittel- und Innenohr vor äußeren Einflüssen (Wasser, Staub, …) ab; nur die Schwingungen des Schalls und somit des Trommelfells werden weitergegeben. Hinter dem Trommelfell nehmen drei kleine Knochen (die Gehörknöchelchen sind die kleinsten Knochen des Menschen) die Schwingungen auf und durch ihre grandiose Anordnung und Aufhängung verstärken sie die Schwingung mechanisch, vergleichbar zu einem Pantografen auch Storchschnabel genannt (https://www.youtube.com/watch?v=ojR4IVNLAAo ). Jetzt trifft der Schall auf die Gehörschnecke, ein unglaublich geniales Organ. Abgerollt kann man sie sich wie eine Schultüte vorstellen, die bis oben mit Wackelpudding gefüllt ist. Je nach der Höhe oder Tiefe des Tons (nach seiner Frequenz), schwingt der Wackelpudding eher an der Spitze oder der Öffnungsseite der Schultüte besonders heftig. Was Schwingungen für große Wellen schlagen können, kann man z.B. bei den historischen Aufnahmen der Tacoma-Brigde sehen, als ein böiger Wind die Brücke wie aus Gummi hin und her bewegte und letztlich sogar zum Einsturz brachte
(https://www.youtube.com/watch?v=3mclp9QmCGs interessant ab Minute 1:00).


In den Wackelpudding sind auf einer Linie von der Spitze zur Öffnung der Schultüte von außen Haare hineingesteckt, quasi eine Pferdemähne nach innen. Dort wo der Wackelpudding heftig schwingt, bewegen sich natürlich auch die Haare mit. Die Haarwurzel merkt, dass das Haar bewegt wird, so wie unsere Haare auf dem Kopf auch merken, wenn wir uns an etwas annähern, noch bevor es eine Beule gibt. Und genauso wie bei den Kopfhaaren wird diese Information als Nervensignal ans Gehirn weitergegeben. Bei den Härchen in der Gehörschnecke läuft diese Information über den Hörnerv bis zum Hörzentrum, einem speziellen Teil unseres Gehirns.
Um gut zu hören, müssen alle beschriebenen Beteiligten auf dem Weg bis zum Gehirn einwandfrei funktionieren. Liegt eine Störung in dieser Kette vor, ist das Gehör beeinträchtigt; man ist schwerhörig oder sogar taub.

Sonja Ma-Mi

O-Töne: Zum Einstieg

In diesem Blog berichten wir ‘Ohrwürmer’ über unsere Selbsthilfegruppe und Erfahrungen als Hörgeschädigte in Alltag und Berufsalltag. Wir würden uns freuen, wenn wir damit ebenfalls Schwerhörige ansprechen könnten sowie ihnen Mut machen. Außerdem möchten wir so ‘Normalhörenden’ unsere Perspektive auf die Welt etwas näher bringen.

Die in den Blogbeiträgen wiedergegebenen Inhalte stellen jeweils nur die individuelle Meinung der Autor*innen dar, nicht die der gesamten Selbsthilfegruppe.

Es ist Schwerstarbeit, wissen Sie, als Hörgeschädigter mit jemandem zu reden. Ich versuche dauernd zu hören, was Sie sagen; man kann sich mit jemand einfach nicht entspannt unterhalten, wenn man auf der Stuhlkante sitzt, lauert, horcht und dauernd denkt „hab’ ich das richtig verstanden?“ oder „’tschuldigung, was haben Sie gesagt?“ Das ist alles reine Schinderei, am Ende denkt man „oh verflucht, ich möchte allein sein und wieder zu Atem kommen“.

Jones, Lesley: Wie wird Hörverlust empfunden? – Aussprache über die Erfahrungen von Hörenden und Schwerhörigen, in: Verch, Klaus (Hrsg.): Rehabilitation Schwerhöriger, Ertaubter und Gehörloser. Internationale Tagung vom 20. April bis 24. April 1989 in Bad Berleburg (1989), S. 123-138 (hier S. 130). (Angaben nach Schwerhörigenseelsorge)